Vom Glück dieser Erde

Liebe Filmfreundinnen, liebe Filmfreunde,

der internationale Film, der im Programm des 11. ICFF zu sehen ist, widmet sich unter anderem dem Glück. Nur Exoten suchen es auf dem Rücken von Pferden, der moderne Mensch findet es auf dem Fahrrad. Das Auto steht beizeiten im Weg.

Ein Werkzeug des ICFF für eine bessere, fahrradfreundliche Gesellschaft ist der Dokumentarfilm. Er ist unter anderem durch den Beitrag „Cycologic“ vertreten: In einer absurden Flut motorisierter Kleintransporter kämpfen Frauen in Kampala, Uganda, um Raum für Radfahrer_innen.  Die schwedischen Filmemacherinnen Emilia Stålhammar, Veronica Pålsson und Elsa Lövdin zeigen eindrucksvoll, dass – bei krassen Unterschieden in den Lebensbedingungen und der Raumordnung – sich die politischen Inhalte und Haltungen der Menschen zwischen Kampala und großen Teilen der entwickelten Welt nur wenig unterscheiden. Auch das herrliche Lebensgefühl auf dem Rad, das der Film vermittelt, ist der westlichen Radfahrerin sofort vertraut.

Einen Perspektivwechsel vollzieht der Film “Inercia”. Der liebevoll arrangierte argentinische Animationsfilm von Becho Lo Bianco und Mariano Bergara von widmet sich dem Trübsal im Auto während  Stau und Stillstand: Mit Autos geht es schlecht voran, individuell und gesellschaftlich. Die Entscheidung für oder gegen den Stau wird jeden Morgen neu gefällt: Fahrrad, gute Laune oder doch Auto und dicke Luft, aber irgendwie auch sehr bequem. Die Antwort gibt es auf der Leinwand des ICFF.

Darüber hinaus zeigt das aktuelle Programm eine ganze Serie von Abenteuer- und Reisefilmen, die sich mit der Schönheit des Lebens  unterwegs auf zwei Rädern befassen. Filme von Guillaume Blanchet (Kanada), Pawel Wicher (Polen) und Kenny Laubbacher (USA) gehen dem Sinn des Fahrradreisens auf dem Grund. Es „verwandelt  Deine 100 Jahre auf diesem Planeten in 1.000.”, so die Losung des Films „1.000 Miles from Oregon to Patagonia“.

Anderer Filme erzählen Geschichten oder machen Kunst:  Sie wird zum Beispiel durch Norbert Krauses Film „Bicycle Piece for Orchestra –  a Tribute to Yoko Ono“ repräsentiert, sowie einer Reihe kleiner, aber feiner Animationsfilme aus Belgien, England und den USA.

Neben dem exzellenten Filmprogramm gibt es in der 11. Spielzeit einiges zu feiern. Zum Beispiel den zweiten Platz im Deutschen Fahrradpreis, den das ICFF im Frühjahr gewonnen hat. Wichtiger ist jedoch, dass es das Fahrrad überhaupt gibt: Dies hat die Menschheit dem Vulkan Tambora zu verdanken, der 1816 – vor genau 200 Jahren ausgebrochen ist. Seine Aschewolke verdunkelte die Sonne und sorgte schließlich dafür, dass den mitteleuropäischen Pferden das Futterausging. Karl Drais besann sich seiner humanistischen Bildung und baute an zahlreichen Winterabenden ein hölzernes Kunstpferd – auf zwei Rädern. Das Fahrrad war erfunden (1817). Das Paradies hatte ein neues Zuhause.

Das Team des International Cycling Film Festival wünsch viel Vergnügen.

Time for Vacation!