Goldene Kurbel für „Tigersprung“

Der Film „Tigersprung“ gewinnt die Goldene Kurbel – den höchsten Preis des ICFF!

Der bewegende Film von Boaz Kaizman, Peter Rosenthal und Marcus Seibert ist dem Leben von Albert Richter gewidmet, 1932 Amateur-Weltmeister auf der Bahn, 1940 von der Gestapo ermordet.  Im Zentrum des Films steht sein jüdischer Manager, der Kölner Ernst Berliner, der, vor den Nazis fliehend, in den Niederlanden die NS-Zeit überlebt. Er versucht, den Fall in den 1960er Jahren zur Anklage zu bringen, aber die deutsche Justiz weigert sich, ein Verfahren zu eröffnen. Auch seine Kölner Mitmenschen lehnen ihn als „die Störung“ ab. Ernst Berliner reist heim in die USA mit dem Vorsatz, nie wieder nach Deutschland zurück zu kehren.

Um die Erinnerung an Albert Richter lebendig zu halten, haben wir zum 13. ICFF einen neuen Filmpreis eingeführt. Das „Souvenir Albert Richter“ wird von nun an alljährlich an den besten Radsport-Film des Festivals vergeben. In diesem Jahr geht der Preis an Jasmijn Cedee aus Belgien. Ihr Experimentalfilm Toer ist eine wilde Hommage an das altehrwürdige Velodrom Het Kuipke in Gent.

Der zweite Platz der Festivals, der Große Preis der Jury, geht an den Hamburger Filmemacher Fritz Tietz. Sein Film Der Langsamwallradfahrer zeigt den 57jährigen Ingolf Petersen auf einer Fahrrad-Wallfahrt von Neu-Münster nach Santiago de Compostela. Sein „Gelübde der Dankbarkeit“ verpflichtet ihn allerdings, sich nur im Schritttempo zu bewegen. Eigentümliche Pilgergesänge („Oh Vater Dir sei Dank, für meinen wunden Po, in dulci jubilo“) und Pilgerrituale wie Geißelung lassen im Filmverlauf jedoch die Frage nach der Ernsthaftigkeit der Wallfahrt-Geschichte aufkommen. Wie Gott beizeiten seinen Wallfahrer, so führt Fritz Tietz das Publikum in die Irre – auf eine sehr vergnügliche Weise.

Der einfühlsame, kurze Spielfilm  Édouard von François Fournier aus Kanada gewinnt schließlich den dritten Platz. Der junge Édouard, gespielt von Léo Roy, leidet darunter, dass sein älterer Bruder in die Armee gezogen wird. Er nutzt das Rennrad als Möglichkeit, seinen Schmerz zu überwinden und aus seiner Kindheit auszubrechen.

Das Publikum hat die Dokumentation On the move zum besten Film des Abends gewählt. Filmemacherin Melissa Schaust zeigt, wie die Fahrrad-Szene um die Dortmunder VeloKitchen einen komplette Wohnungsumzug mit Lastenrädern bewältigt.

Die beste Animation des Programms ist der Film Bike Ride von Tom Schroeder, der dafür mit einer Honorable Mention des ICFF bedacht wurde.

Das Team des ICFF gratuliert allen Filmemacherinnen und Filmemachern!